64 Audio U18t im Test

64 Audio U18 Tzar

Die Technik-Bombe U18t von 64 Audio gilt zu den beeindruckendsten Monitoring-Werkzeugen auf dem Markt. Wir haben ihn ausführlich für euch getestet.

64 Audio

64 Audio ist ein amerikanischer Monitoring-Hersteller, der es mit intuitiver Entwicklung innerhalb von wenigen Jahren an die Spitze geschafft hat. Die Marke erfreut sich bei Profi-Musikern, Tontechnikern und Audiophilen an höchster Popularität.

Hier findet ihr eine Einführung zu 64 Audio.

Die Tzar-Bombe

Als der U18 angekündigt wurde, trug er noch den Spitznamen Tzar. So ist es auch noch auf der Verpackung abgedruckt. Der Name referenziert die thematisch eher abschreckende Zar-Bombe, AN602, die Anfang der Sechziger als Superbombe eine finale Warnung für die zerstörerische Kraft des Wettrüstens war. Dies überträgt sich auch auf die Treiberzahl, die bei den In-Ear-Kopfhörern über die Jahre rasant gestiegen ist.

Tatsächlich ist die abartig hohe Stückzahl pro Seite von 18 Treibern im 4-Wege-System mittlerweile von einem weniger bekannten Konkurrenzprodukt übertroffen, doch als Gesamtpaket ist die des Tzar erzielte Leistung unübertroffen.

U18t = U18 Tzar

Dieses Modell wird offiziell immer öfter als U18t bezeichnet, um sich der Produktpalette von 64 Audio anzupassen. Das kleine „t“ steht dabei für den verwendeten tia-Treiber, der bei den meisten Modellen ab A12 und drunter nachgerüstet wurde. Die unterschiedliche Bezeichnung von U18t und U18 bezieht sich also auf das selbe Produkt.

U18t und die Apex-Module

Feature-Liste

Neben der insgesamt 36 Treiber, zeichnen vor allem zwei andere Eigenschaften die Qualität des U18t aus.

Der tia-Treiber

Zum einen hat 64 Audio im Hochton pro Seite einen proprietären offenen BA-Treiber namens „tia“ verbaut. „tia“ steht für tubeless in-ear audio und beschreibt das Design eines modifizierten Balanced Armature-Treibers für einen offenen und breiten Schallaustritt. Dieser wirkt sich extrem positiv auf die Reichweite und geringere Resonanzen im Hochton aus. Mit dem U18t ist 64 Audio ein Hörer gelungen, der höhere Frequenzen kaum transparenter wiedergeben könnte.

Ausgestattet mit Apex

Außerdem ist 64 Audio für ihre Apex-Module berühmt. Die mitgelieferten und austauschbaren Module m20 und m15 sind weit mehr als einfache akustische Dämpfungen um je 20 oder 15 dB. Sie simulieren ein weiteres Trommelfell im abgeschlossenen System, das sich dem variierenden Luftdruck im gefangenen Ohrkanal anpasst. Dadurch steigt nicht nur das Tragegefühl, sondern so werden auch klangliche Veränderungen bei Kieferbewegungen verhindert. Apex soll angeblich auch Hörschäden vorbeugen indem die Lautstärke als höher empfunden wird als sie ist.

Dieses Mal ohne LID

Beim U18t hat 64 Audio absichtlich auf LID, Linear Impedance Design, verzichtet. Bei anderen Modellen sorgt der Hersteller dafür, dass die Spannung unter den Treibern bei höheren Ausgangswiderständen immer gleich verteilt wird. Daraus eliminiert 64 Audio einen sonst oft attestierten „Verstärkerklang“ vom Quellgerät. Da dieser komplexe Aufbau beim U18 bewusst fehlt, verhalten sich diese IEM an anderen Geräten leicht unterschiedlich. Als audiophiler Anwender, kann man den Tzar in der Audiokette so noch besser an die eigenen Anforderungen anpassen. Auch können sich dadurch fein nuancierte klangliche Unterschiede von Kabeln eher bemerkbar machen.

Universal von 64 Audio

Verarbeitung und Passform

64 Audio hat ein universelles Gehäuse kreiert, das nicht nur bei dem U18t Verwendung findet. Das Metallgehäuse wird auch für Demos der sonst nur als Maßanfertigung erhältlichen Modelle von A2e bis N8 verwendet. Die Form ist überraschend klein, dafür, dass sie sehr komplexe Technik und auch teilweise absurd hohe Stückzahlen an Treibern unterbringen muss. Der Schallaustritt fällt ungewöhnlich lang aus. Das liegt daran, dass dieser Raum nicht nur bei den CIEM verwendet wird. In der Spitze versteckt sich nämlich auch der tia-Treiber.

Hier geht es zur Gesamtübersicht der erhältlichen Modelle von 64 Audio.

(Dieser Artikel ist noch in Arbeit)

Das kleine Gehäuse sitzt dank der Trageweise mit dem Kabel über dem Ohr stabil, ist jedoch kaum bequemer als die höherpreisigen Modelle von Campfire (Solaris, Atlas, Andromeda). Ist der IEM allerdings erstmal tief im Ohr, drückt und zwickt es auch nicht.

Hinweise zu Ohrpassstücken

Wie bei universellen Passformen üblich, hat man relativ hohen Einfluss auf den Klang bei Verwendung mit verschiedenen Aufsätzen. In Berücksichtigung des Preises, sind die mitgelieferten Ohrpassstücke nicht wirklich dem Produkt entsprechend. Die Schaumstoffaufsätze sind zwar bequem, allerdings sollte man nach Möglichkeit immer zu Silikon greifen. Diese sind länger haltbar und erlauben tieferen Bass und eine bessere Reichweite im Hochton. Wir haben sehr gute Ergebnisse mit SpinFit und besonders Sedna Eartips erreicht.

A18t ebenfalls erhältlich

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der 64 Audio U18 auch als maßgefertigte Version für Profi-Anwender erhältlich ist. Auch für Audiophile ergeben sich durch die Maßanfertigung Vorteile. Die Custom-Variante heißt A18t statt U18t und kostet das gleiche. Es gibt kleine Unterschiede beim Kabel, der Verpackung und dem Zubehör, da man z.B. gar keine Ohrpassstücke mehr braucht. Wer sich bei der Wahl des Produkts sicher ist, dem raten wir zum A18 zu greifen, da die Customs von 64 Audio durch den hochentwickelten 3D Fit zu den bequemsten der Welt gehören. Natürlich fällt damit allerdings die Möglichkeit weg, wie im Absatz zuvor erwähnt, leichte Anpassungen am Klang durch andere Aufsätze vorzunehmen.

Kontaktiert uns direkt, falls das Interesse an einer Maßanfertigung besteht.

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Oberklasse: U18t mit Hugo 2

Sound

Abstimmung

Der 64 Audio U18t wird von vielen als gnadenlos neutral beschrieben. Der subjektive Eindruck ist durchaus nachzuvollziehen, was der wunderbaren Balance aus Tief- und Hochton geschuldet ist. Tatsächlich sind beide Enden jedoch leicht angehoben, was die Musikalität etwas unterstützt und einer sonst als neutral oft nachgesagten Mittenlastigkeit entgegenwirkt. Besonders mitreißend spielt der U18t in den ersten Minuten dennoch nicht. Der U18 schmeckt eher wie roher Fisch. Dem Anwender wird Aufmerksamkeit, Konzentration und eine hohe Sensibilität abverlangt. Erst dann fächern sich die feinen Nuancen auf und das Technikwunderwerk findet die verdiente Anerkennung. Hat man diesen Zugang erst hergestellt, wirkt jeder andere Ohrhörer fad oder übersalzen.

Bass

Der U18t hat eine leichte Bassanhebung, die sich durch einem vollen und texturierten Mid-Bass bemerkbar macht. 64 Audio spendiert dem Topmodell allein 8 Treiber pro Seite nur für die tiefen Töne. Besonders akustische Streichinstrumente profitieren dadurch von einem vollen Körper. Klirr wird durch dem hohen Treiberpaket auf ein Minimum reduziert, so dass keinerlei harmonische Schwingungen zu erwarten sind. Mit dem Tzar verrät 64 Audio genau was die Bass-Spur der Aufnahme an Information erhält. Gerade in den untersten Frequenzen dicken viele Ohrhörer hier ungewollt auf, was bei dem U18 jedoch ausbleibt. Für Disco-Feeling kann jedoch ohne Bedenken mit einem Equalizer nachgeholfen werden – genug Headroom ist allemal vorhanden.

Mitten

Die Modelle U12t und U18t finden ihre Entstehungsgeschichte im Studio. Sie sind zum Abhören und Mischen entwickelt worden. Grundvoraussetzung dafür sind besonders neutrale Mitten und die dafür nötige Reproduktion der Außenohrverstärkung, die ein In-Ear-Monitor prinzipiell umgeht. Der U18 klingt im Vergleich etwas wärmer als der U12, erfüllt diese Anforderung dennoch vorbildlich. Ganze 8 BA-Treiber werden von 64 Audio in diesem Modell für die 4. bis 6. Oktave eingesetzt und ein weiterer für die siebte. Dadurch entsteht eine unglaubliche Transparenz, die in einer hochwertigen Audiokette frei von Verzerrungen ist und eine ganz klare Referenz darstellt.

Hochton

Die Reichweite und der lineare Pegel im Hochton des U18t sucht seinesgleichen. Uns ist kein Ohrhörer bekannt, der auch nur Ansatzweise einen solch gleichmäßig angehobenen Pegel darstellt. Dies betrifft besonders die Frequenzen oberhalb von 10 kHz und die immense Reichweite, dessen Herstellerangabe von 20 kHz viel zu bescheiden ausfällt. Besonders beeindruckend ist, dass 64 Audio von den 18 Treibern allein den tia-Treiber für den Hochton einsetzt und dieser der technische Star der Show ist.

Besonders beeindruckend mit Jazz und klassischer Musik Besonders klassische Musik profitiert hiervon. Der Grund ist, dass Aufnahmen aus diesem Musikgenre meist von höchster Klangtreue geprägt werden und im Mastering relativ wenig eingegriffen wird. Dadurch bleibt oft ein höherer Dynamikumfang und eine Wahrung von akustischen Obertönen, die bis weit in die höheren Frequenzen reichen. Dies gilt auch für mehrere elitäre Jazz-Label. Bei Pop und Rock wird die Aufnahme leider oft sehr stark im Mastering manipuliert und diese Information absichtlich entfernt. Fehlt diese Information, kann der U18 auch nicht sein ganzes Potential entfalten.

Auch mit Thrash Metal genießbar Dennoch klingt deswegen selbst Thrash Metal von MP3 nicht aggressiv oder spitz im Hochton. Der Pegel des U18 ist gleichmäßig angehoben und so stechen weder einzelne Beckenschläge hervor, noch entsteht eine Schärfe, die eigentlich nicht auf der Aufnahme vorhanden wäre. Stattdessen räumt der U18 den Informationsgehalt der MP3 durch den sehr schnellen Abklang sogar auf. Ist eine Aufnahme jedoch zu stark komprimiert, geht die Information im Hochton verloren. Der Tzar wird dann auch gnadenlos aufzeigen, wo ein Beckenschlag wie ein nasses Tuch klingt. Auch wenn dies nicht unangenehm klingt, führt unsauberes Material leider oft auch zu Enttäuschung. Es sind diese Momente, wo der U18 wenig musikalisch sondern langweilig wirkt.

64 Audio U18t mit Chord Hugo 2

Raumklang und Auflösung

Unendliche Sphären

Beim 64 Audio kommen tia und Apex wunderbar zusammen und erzeugen eine fast unendliche Weite bei der Bühnendarstellung. Durch Apex ist der Bassdruck auch bei höheren Pegeln nicht unangenehm, sondern erzeugt durch das Mitschwingen eines künstlichen Trommelfells für eine angenehme Distanz. Der tia spannt hingegen unendliche Reichweite im Hochton auf, verlangt aber auch, dass die Aufnahme dies ermöglicht. Saubere Studio-Aufnahmen erinnern durch fehlende Schallreflektionen oft an Open-Air-Konzerte, doch auch Live Aufnahmen in kleinen Jazz-Bars werden korrekt wiedergegeben. Wer jedoch auf besondere Intimität steht, der findet in einem Campfire Solaris eventuell eine besser überzeugende Gewölbe-Atmosphäre.

Hier geht es zu unserem Testbericht des Campfire Solaris.

Unerreichter Informationsgehalt

Vorher unbemerkte gedoppelte Stimmen explodieren geradezu auseinander und der U18t ermöglicht einen Art Röntgenblick in den Informationsgehalt der Audiodatei. Einzelne Instrumente werden ganz klar voneinander abgetrennt und lassen sich individuell inspizieren. Auch wenn hier alles absolut akkurat und echt wiedergegeben wird, hat 64 Audio selber schon die Erfahrung geteilt, dass sich manche Anwender mit der Information überfordert fühlen und eine frühzeitige Ermüdung eintritt. Andere, hingegen, werden danach kaum noch Freude an dem Klangbrei vieler günstigeren IEM finden. Auch wir haben bemerkt, dass uns noch Tage danach die Auflösung vieler anderen Ohrhörer absolut unbefriedigt lässt.

Anforderungen an das Quellgerät

Zum Glück fallen die Anforderungen an den Verstärker relativ gering aus. Selbst an einem Smartphone klingt der U18 gut. Er zeigt sich nicht kritisch mit Rauschen und auch die Verbiegung des Frequenzgangs durch zu hohem Ausgangswiderstand hält sich in Grenzen. Der Tzar eignet sich also durchaus auch als täglicher Begleiter. Um jedoch das fast unendliche Potential des Technikwunders U18t zu offenbaren, ist eine saubere Verstärkung absolut notwendig. Auch verschiedene Filter von D/A-Wandlern, wie z.B. im RME ADI-2 DAC, machen sich in diesem Zusammenspiel gelegentlich bemerkbar. Wer in den U18t investiert, sollte auch berücksichtigen, dass es sich auf Dauer lohnen wird verschiedene Komponenten der Audiokette nach- und aufzurüsten.

U18t auf Holz

Fazit

Der U18 ist ein unheimlich potentes Monitoring-Werkzeug, das links und rechts haufenweise Details locker aus den Ärmeln schüttelt. Die Abstimmung selber ist unauffällig und größtenteils wenig aufregend, da 64 Audio hier hauptsächlich die Musik reden lässt. Die Aufmerksamkeit wird dennoch oft auf den Hochton gelenkt, da dieser mit besonders hoher Auflösung beeindruckt. Wer das schier unendliche Potential der Ohrhörer entlocken möchte, muss jedoch auch berücksichtigen, dass eine entsprechend fähige Audiokette vorhanden ist und vor allem das verwendete Audiomaterial Hifi-tauglich ist. Sind die Voraussetzungen gegeben, fächert der U18t die Musik komplett auseinander und erlaubt tiefstes Eintauchen und oft sogar einen Blick hinter die Kulissen. 64 Audio hat ein absolutes Technikwunderwerk geschaffen, das uns nicht mehr aus dem Staunen lässt.

Hier geht es zur Produktseite vom 64 Audio U18t auf Headtek.de

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