In-Ear-Kopfhörer: Der richtige Sitz und die Auswirkungen auf den Klang

In-Ear-Kopfhörer sind eine absolut faszinierende Entwicklung der Technik. Im Miniaturformat werden mittlerweile komplexe Audiosysteme verbaut, die sich mit den besten Anlagen messen möchten. Allerdings sind Toleranzen so nah am Ohr extrem gering. Um die bestmögliche Klangqualität zu erzielen, gibt es einiges zu beachten. In diesem Beispiel betrachten wir wie sich der Sitz auf den Klang auswirken kann.

Besucher der CanJam London 2019 testet die 64 Audio U18t

Gehörgangsresonanz

Geschlossene Ohrhörersysteme bilden mit dem Trommelfell zusammen quasi einen geschlossenen Zylinder. Dadurch kommt es zu stehenden Wellen mit Knoten an den harmonischen Schwingungen. Um die Auswirkung dieser darzustellen, habe ich den 64 Audio U18t mehrfach gemessen.

Wikipedia liefert eine ausführliche Erklärung zu dem Thema „Acoustic Resonance“.

64 Audio U18t Gehörgangsresonanz

In einem Gesamtabstand von 4mm habe ich 5 Messungen durchgeführt (je ca. 0,8mm Abstand). Jeder Kurve zeigt die tatsächlichen Unterschiede am Frequenzgang und der hörbaren Tonalität. Es handelt sich also nicht um Messfehler, sondern die Kurven sind mit einem Tongenerator verifizierbar und hörbar.

Die durch die Gehörgangsresonanz erzeugte Verstärkung habe ich mit einem orangenen Kreisel markiert. Die Amplitude wirkt sich auch auf benachbarte Frequenzen aus, wie sich im Frequenzbereich um ca. 6,5 kHz zeigt. Die Variation um 10 kHz ist in diesem Beispiel frappierend. Wichtig zu merken ist: Je tiefer man den IEM einsetzt, desto höher wandert die Resonanzverstärkung.

Im Falle des 64 Audio U18t ebnet sich der Hochton mit tieferem Einsetzen aus und wirkt wesentlich ausgeglichener. Die Auswirkung kann sich jedoch von Modell zu Modell unterscheiden, so dass wir dringend empfehlen mit dem Sitz zu experimentieren. Unserer Erfahrung nach profitieren jedoch sehr viele In-Ears von einem tiefen Sitz.

64 Audio U18t auf Headtek.de

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist passform.jpg.

Wahrnehmung von Unterschieden im Hochton

Allerdings ist unser Gehör nicht besonders empfindlich was leichte Nuancen in den höheren Frequenzen betrifft. Die Darstellung wirkt erschreckend, doch sie fällt in der Praxis nicht so stark ins Gewicht wie abgebildet.

Zum einen decken Instrumente einen Frequenzbereich ab und spielen nicht einzelne Frequenzen in der Menge der natürlichen Zahlen. Die Schwankungen werden also nicht so stark wahrgenommen, obwohl eine veränderte Tonalität definitiv herauszuhören ist.

Des Weiteren sind unsere Gehörgänge mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht perfekt symmetrisch. Da wir in Stereo hören, legen wir quasi zwei ähnliche Kurven wie aus der Abbildung übereinander. Fertig produzierte Musik verzichtet mittlerweile auf scharfe Links-Rechts-Trennung und dazu addiert sich in geringem Maße Übersprechung vom Kabel und des Verstärkers. In der Praxis relativiert sich die Problematik erfreulicherweise also. Besonders über In-Ear-Kopfhörer empfehlen wir die Verwendung von einem gut-implementierten Crossfeed um eine Verbesserung der Stereo-Bühne zu erzielen. Besonders der RME ADI-2 DAC setzt diese Funktion gekonnt um.

Passform und Sitz

zu groß gewählter Aufsatz

Viel wichtiger ist jedoch, dass der Ohrhörer bequem und richtig sitzt. Wenn der Gehörgang nicht vollständig durch die Ohrpassstücke abgedichtet wird, entweicht der Bass. Ich habe dies in der folgenden Messung simuliert. Und zwar habe ich absichtlich einen zu großen Aufsatz gewählt. Zwar passt er vermeintlich in den Gehörgang (bzw. das Messinstrument) und sitzt fest mit gutem Halt. Doch da er zu groß ist, schlägt sich eine kleine Falte, durch die tiefe Frequenzen entweichen. Der Bassdruck verschwindet und das Klangbild kippt ins Helle. Das gleiche passiert wenn das Ohrpassstück zu klein gewählt wird. Viele beschreiben den Klang als topfig und grell.

rote Kurve: falsch gewählter Aufsatz

Das Gegenbeispiel ist wenn der In-Ear-Kopfhörer in einem starken Winkel platziert wird. Dies kann unter Umständen und Berücksichtigung der individuellen Ohranatomie bequemer sein. Allerdings kann dies auch dazu führen, dass der Hochton abgeschnitten wird. Der Klang wird dumpf und dröhnig. Abhilfe schaffen SpinFit, wie ich später zeige.

Maßanfertigung

Um das Problem mit der optimalen Ausrichtung zu umgehen, greifen viele Anwender auf die Lösung eines maßgefertigten Ohrhörerpaars zu. Ursprünglich hatte man den Custom In-Ear-Monitor auf Basis von Hörgeräten für Bühnenmusiker vorgesehen. Perfekter Halt und maximale Abdichtung vor Umgebungslärm ersetzen klassische Frontmonitore. So ist das Gehör auf der Bühne besser geschützt und die In-Ears rutschen nicht aus dem Ohr.

CIEM im High-End

Die Technik hat sich inzwischen so weit entwickelt, dass CIEM auch im audiophilen Kreis sehr oft zu den allerbesten Systemen gehören. Mittlerweile bietet auch der High-End-Hersteller Campfire Audio Lösungen als Maßanfertigung an. Besonders renommiert sind 64 Audio, die am Anfang mit Reparaturen von Customs begonnen hatten und mittlerweile Weltstars wie Beyoncé mit eigenen System ausstatten.

In unserer Bestenliste schneidet besonders der 64 Audio A18t als Custom gut ab.

Otoplastik als Alternative?

Wir werden oft gefragt ob es nicht reicht sich eine Otoplastik für seinen Lieblings-Ohrhörer anfertigen zu lassen. Viele Anbieter bauen einen angepassten Aufsatz für universelle Hörsysteme, die den regulären Silikonaufsatz ersetzen sollen. Prinzipiell raten wir als Audiophile von dieser Lösung ab.

Zum einen haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Umsetzung oft das komplette System nach außen verschiebt. Die Unterschiede sind teilweise extremer als „nur“ 4mm wie weiter oben in der Messung dargestellt.

Außerdem berücksichtigen die Anbieter oft keine Ventile am Ohrhörer. Am Gehäuse des In-Ear-Systems sind oft kleine Luftlöcher angebracht, die bei einem dynamischen Wandler maßgeblich über die Abstimmung entscheiden. Bei einer Otoplastik werden sie leider oft verschlossen.

SpinFit zur Hilfe

SpinFit 45 Grad
SpinFit im scharfen Winkel: kein Problem!

Wem eine Maßanfertigung zu teuer ist, dem empfehlen wir die Aufsätze von SpinFit in Erwägung zu ziehen. Die Silikonaufsätze von SpinFit sind mit einem Patent so konstruiert, dass sie auch über Winkel hinweg den Klang kaum verändern. Ein Gelenk sorgt dafür, dass auch bei „krummen Ohren“ der Schallaustritt fürs Gehörgang optimal ausgerichtet bleibt. Selbst Krümmungen von 45 Grad machen sich nicht negativ bemerkbar.

SpinFit auf Headtek.de

SpinFit 45 Grad

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