Final Audio Streifzug – E-, F- & B-Serie angetestet

Als Spezialist im Bereich von Kopfhörer bietet Final Audio neben Over-Ear-Kopfhörer unterschiedliche Serien von In-Ear-Monitoren an. Neben der bekannten E-Reihe, die anspruchsvolles Sounddesign bietet, und der F-Reihe, die Meisterwerke in Klangqualität und Benutzerkomfort bietet, so die Versprechen von Final Audio selbst, gibt es nun auch die B-Serie, in die als Grundlage die aktuellsten Forschungsergebnisse einfließen. Diese Konzepte wollte ich unbedingt nachvollziehen und habe mir dafür drei Vertreter, aus jeder Serie einen, in der Preisklasse um 250€ angehört und einen Final Audio Serien-Streifzug gewagt.

Wie steige ich nun mit meinem Gast-Beitrag hier am besten in den Headtek-Blog ein?
Na genau so. Einfach die Geschichte erzählen, wie es zu diesem Gast-Beitrag kommt. Also mit einem…

Vorwort

Für mich ist dieser Bericht im Blog von Headtek etwas Besonderes, denn für gewöhnlich teile ich meine Erfahrungen mit Kopfhörer auf meiner eigenen Seite www.miniklangwunder.de. Ich habe bereits über einige Produkte von Headtek berichtet, wie den Etymotic ER2SE oder dem Westone W30, um nur zwei zu nennen.
Nun wurde ich jedoch von Klaus angesprochen, ob ich Lust habe auch im Headtek-Blog Beiträge zu veröffentlichen.
Anfangs hatte ich das für mich ausgeschlossen, da ich ja meinen eigenen Blog pflege. Doch beim genaueren Nachdenken, fand ich sein Angebot doch sehr attraktiv.
Warum? Das ist ganz einfach.
Wer meine Berichte liest, stellt fest, dass ich bei Tests einzelner Produkte sehr sparsam Vergleiche zu anderen Marken anstelle und es auch vermeide Aussagen zu besser oder schlechter zu treffen. In meinem Blog bewerte ich subjektiv und versuche dennoch herauszuarbeiten, was mir speziell an dem Testkandidaten auffällt und auch gefällt. Ich bin eben nicht auf der suche nach dem einen perfekten Kopfhörer.
In diesem Artikel allerdings habe ich nun die Möglichkeit drei Kandidaten von Final Audio in der selben Preisgruppe miteinander zu vergleichen und tatsächlich sogar ganz bewusst meine persönliche Reihenfolge am Ende festzulegen. Denn hier geht es um den Vergleich der unterschiedlichen Konzepte und Ansätze für die Gestaltung der verschiedenen Modell-Reihen. Das ist spannend und passt viel besser hier in den Headtek-Blog als in meinen eigenen. Und das ist der Grund, genau hier diesen vergleichenden Artikel einzustellen. Auf meiner Seite gibt es dann demnächst zu jedem einzelnen In-Ear meinen ganz subjektiven und individuellen Erfahrungsbericht.

Die Testkandidaten

Bei der Auswahl der In-Ear-Kopfhörer der unterschiedlichen Reihen habe ich mich dafür entschieden, den Preis als Auswahlkriterium zu benutzen, der zwischen 200€ und 300€ liegen sollte, also grob um 250€.
Damit waren schnell die Kandidaten klar, nämlich das Flaggschiff aus der E-Reihe, der E5000 für 249€, der F4100 für 269€ aus der Mitte der F-Reihe und mit 289€ der preisliche Einstieg in die B-Reihe, der B2. Wie diese verpackt sind und was als Zubehör enthalten ist, das ist in der Galerie auf den Fotos zu sehen.

Design

Im ersten Vergleich geht es um die unterschiedlichen Designs. So gleichen sich die E- und F-Reihe ein wenig. Beide greifen die L-Form auf und bieten somit nahezu frei in den Ohren platzierbare Kopfhörer an. Der E5000 besitzt eine elegante Form durch die Ausführung mit glatten, zylindrischen Körpern und den am Ende lotrecht ausgeführten MMCX-Anschluss. Die F-Serie wirkt etwas kerniger und hat einen gewissen technischen Look, da die MMCX-Stecker der Kabel selbst im 90-Grad-Winkel ausgeführt sind und so das ebenfalls zylindrische Gehäuse des F4100 optisch unterbrechen. Wahrscheinlich unbeabsichtigt birgt das aber einen entscheidenden Vorteil. Zu dem komme ich jedoch später. Der B2 hat ein sehr geometrisches, ja schon kantiges Gehäuse, das sehr außergewöhnlich und dennoch zugleich technisch und elegant wirkt. Wenn auch unterschiedlich, gefallen mit hier alle Designs nahezu gleich gut, mit einer leichten Tendenz zur F-Reihe.

von links nach rechts: E5000, F4100, B2

Verarbeitung

Hier mache ich es ganz kurz. Alle drei Kandidaten sind technisch einwandfrei verarbeitet. Es gibt keinerlei Abweichungen der paarweise Hörer links und rechts, die auf besondere Exemplarstreuung hindeuten würden. Die Stecker rasten alle satt ein und lassen sich mit einem wohl dosiertem Widerstand auch wieder lösen. Hier gibt es bei keinem der drei In-Ear-Kopfhörer irgendwelche Nachteile.

Tragekomfort

Die Auswahl der richtigen Tipps ist natürlich obligatorisch. Da darf ich jeden beruhigen, dass ich bei den folgenden Beschreibungen alle Tipps getestet habe und natürlich auch die für mich nicht optimalen benutzt habe. Tipps sind aber nur die halbe Miete. 🙂

In dieser Disziplin gibt es eine kleine Überraschung. Ich vermutete am Anfang, dass E- und F-Reihe gleich gut abschneiden und schaute skeptisch auf die Gehäuse der B-Reihe.

Am Ende ist es aber tatsächlich so – und das hängt aber ganz sicher natürlich mit meinen Ohren zusammen -, dass Platz 1 beim Tragekomfort an den F4100 geht und mit deutlichem Abstand auf Platz 2 unerwartet der B2 folgt und dicht dahinter der F5000 sich auf Platz 3 einordnet.
Völlig unerwartet ist es beim Tragen dazu gekommen, dass der E5000 immer gern aus meinem Gehörgang herausgedrückt wurde, denn der senkrecht angesteckte Stecker des Kabels hat immer irgendwo am Außenohr angelegen. Bei Bewegung gab es dann immer Krafteinwirkungen auf das Gehäuse, so dass zumindest der Seal oft nicht mehr optimal war und so musste ich den E5000 immer wieder „nachdrücken“.
Mit dem Gehäuse des B2 hatte ich schon erwartet, dass die Kanten irgendwo am Außenohr anliegen könnten, da der Winkel des Eintrittes meines Gehörganges in einem recht steilen Winkel zum Außenohr liegt und so oft In-Ear-Kopfhörer mit ihrer Oberseite irgendwo anliegen. Das ist beim B2 auch so, obwohl das Gehäuse recht klein ist. im ungünstigsten Fall kann das dazu führen, dass es an der stelle dann nach wenigen Minuten drückt. Da muss ich dann die Position so lange ändern, bis kein Problem mehr auftritt, dann sitzt der B2 aber auch lange sehr gut und sicher.

Eingesetzt in meinem Ohr sieht der modifizierte F4100 völlig normal aus

Nun, der F4100 sitzt im Prinzip dem E5000 sehr ähnlich und wird auch gern aus meinem Ohr herausgedrückt. Allerdings gibt es bei ihm den bereits angedeuteten Vorteil, der senkrecht aufsteckbaren Kabelstecker. Ich habe ein einfaches Kabel mit MMCX-Stecker auf die F4100 aufgesteckt (die vom E5000 hätten auch funktioniert). Mit diesem dem Gehäuse längs verlaufenden Kabelabgang sehen die F4100 zwar recht lustig und im ersten Moment sogar unbenutzbar aus, doch so in mein Ohr eingesetzt kann ich deutlich kleinere Tipps als üblich nehmen, denn ich kann die In-Ear-Kopfhörer so deutlich tiefer in meinen Hörkanal einführen und komme so, wie auch von Final Audio vorgesehen, deutlich dichter an mein Trommelfell heran. Auch wenn dieser optimale Tragekomfort nur unter der Zuhilfenahme eines Drittkabels erfolgt, sehe ich das als völlig legitime Tuning-Maßnahme für den Kopfhörer an. Ein Hoch auf wechselbare Kabel!

Solche ganz einfachen Kabel gibt es auf dem Markt schon ab 20€.

Klang

Bei Bewertung des Klanges geht es für mich um zwei wesentliche Punkte. Der erste ist, welcher Kopfhörer kommt meinen Vorlieben am nächsten und zwar in den Punkten Signatur und räumliche Abbildung? Der zweite Punkt ist, wie performt der jeweilige Kopfhörer aus möglichst objektiver und technischer Sicht gesehen? Sprich welche objektiven Stärken und Schwächen gibt es. Hier geht es mir um die Qualität der akustischen Abbildung, insbesondere um die Punkte Verzerrung und Übersteuerung.

Nachdem ich im ersten, schnellen Vergleich von E5000, F4100 und B2 letzteren favorisiert habe, da er einfach mehr Quantität im Bassbereich zu haben schien und so meiner grundsätzlichen Vorliebe zu etwas kräftig abgestimmten InEars nahe kommt, hat mir im weiteren Verlauf dann aber doch etwas die „Klarheit“ bei ihm gefehlt. Der F4100 unterscheidet sich beim genauen Hinhören im Bass kaum vom B2. Durch seine etwas betontere Spielweise bei Stimmen und Instrumenten und mit seiner strahlenderen Brillanz ist er jedoch klanglich etwas leichtfüssiger ausbalanciert, da wirkt dann der Bass einfach „schwächer“. Das ist gut auszumachen bei Liedern wie „Fading Sun“ von Terje Isungset, zu finden in meiner Miniklagwunder Playlist auf Spotify. Der Bass des F4100 wird absolut trocken und schnell wiedergegeben. Schnell auf den B2 gewechselt höre ich keine nennenswerten Unterschiede in der Bass-Quantität.

Der F4100 spielt insgesamt schön straff und bei Rock, Classic Rock, Heavy Metal und ähnliche Genres begeistert er mich geradezu und das, obwohl er eben nicht so präsent und druckvoll in der Signatur erscheint wie der B2 oder der E5000. Wo Jazz, Electronic, Chill Out und ähnliches gehört wird, liegen der B2 und der E5000 leicht vorne. Wobei der B2 technische einfach „sauberer“ spielt im Vergleich zum E5000, der mit seinem dynamischen Treiber jedoch ein klein wenig musikalischer zu Werke geht. Im Bass wirkt er etwas weicher und irgendwie „lebendiger“ als der B2. Im direkten Vergleich mit den Balanced Armature Kollegen, fehlt ihm aber die Abgrenzungs- und Separationsfähigkeit. Genau das ist es, was mir beim B2 und sogar noch mehr beim F4100 besonders gefällt.
Der E5000 für sich allein gehört ist ein sehr guter, dynamischer Kopfhörer mit einer sehr schönen Abstimmung und liefert, wie von Final Audio versprochen, einen anspruchsvollen Sound ab. Dabei möchte er aber auch einen potenten Zuspieler haben und spielt mit etwas weniger Brillanz als der B2 oder der F4100.

Der B2 und der F4100 sind hingegen deutlich einfacher anzutreiben. Beide lassen sich problemlos an Smartphones oder einfachen DAPs nutzen.
Aber aufgepasst: Da sie beide reine Balanced Armature Kopfhörer sind, haben sie den Nachteil, dass sie sich nur genauso anhören, wie ich sie hier beschreibe, wenn die Ausgangsimpedanz des Zuspielers sehr gering ist. Liegt diese über 2-3 Ohm, dann beginnt der Bass hörbar schlanker zu werden.

Ein Träumchen: Final Audio F4100 am Fiio M15

Der F4100 ist für mich der Analytiker unter diesen drei Kopfhörern von Final Audio. Er deckt absolut schlechte Aufnahmen auf. Musikmaterial, welches hörbar mit Kompressionsartefakten versehen ist, entlarvt er sofort. Der B2 hat diese Fähigkeit trotz etwas dunklerer Abstimmung auch, wobei ich aber dann schon sehr bewusst drauf achten muss.
Der E5000 verzeiht hier einfach am meisten. Er ist in der Abstimmung Bass zu Hochton ähnlich dem B2, hat aber nicht die Separationsfähigkeit und Feinzeichnung seiner BA-Konkurrenten. Am Ende eines langen Hörvergleichs ist für mich klar, dass der E5000 im Gegensatz zu den beiden Testkandidaten Musik einfach am entspannter präsentiert und dabei gute Details aber nicht mehr alle Nuancen bietet. Der F4100 und der B2 lassen deutlich mehr Details in der Wahrnehmung zu.

Der B2 ist tonal unterm Strich der Kopfhörer, den ich am längsten hören könnte, ohne dass ich aufgrund zu detaillierter Informationen irgendwann die Lautstärke reduziere, da er mich zu keiner Zeit überanstrengt, ja wenn da nicht das Thema mit dem Tragekomfort wäre.
Auch wenn der F4100 von meiner Vorliebe im ersten Moment etwas abweicht, sehe ich ihn über den E5000 und auf Augenhöhe mit dem B2. Denn seine absolut tolle Qualität im Bereich Auflösung und räumliche Darstellung gleicht seine etwas hellere Abstimmung mehr als aus.
Wie ich schon schrieb, man muss auch bereit sein, sich auf die unterschiedlichen Signaturen einzulassen.
Die Platzierungen sind in Sachen Klang und Technik damit so, dass der B2 mich klanglich am meisten abholt, indem er im Prinzip das Beste von E5000 und F4100 vereint. Die zwei letztgenannten folgen dem B2 jeweils dicht hinter ihm. Der F4100 schiebt sich aber im Bereich des Klanges durch seine absolut überzeugende Abbildungsfähigkeit und brillante Darstellung (mit den mitgelieferten Klebefiltern genau richtig entschärft) direkt neben den B2. In dieser Disziplin ist der E5000 leider etwas abgeschlagen.

Der Vergleich dieser drei sehr guten Kopfhörer war nicht einfach. Zu schnell tendierte ich in den ersten Minuten dazu, mir eine Meinung zu bilden und war dann überrascht, wie mit jedem Wechsel sich die Bewertungspunkte „verschieben“ können. Am Ende gibt es dann doch die Erkenntnis, wer auf welcher Treppenstufe das Sieger-Treppchens steht.

Fazit

Kurz zur Rekapitulation meiner persönlichen Eindrücke. Der F4100 und der B2 belegen jeweils in zwei Kategorien einen ersten Platz und einmal den dritten Platz.
Der E5000 liegt zwei mal auf Platz 2 und einmal auf Platz 3. Neben diesem einfachen Plätze-Ranking gibt für mich dann aber den Ausschlag für den F4100 dessen Modifikationsfähigkeit für den perfekten Sitz bei mir. Wäre der B2 mit seinem Gehäuse bei mir unauffällig, was dessen Tragekomfort angeht, dann wäre es eine sehr schwere Entscheidung für mich zwischen dem B2 und dem F4100. Wahrscheinlich würde ich dann sogar über kurz oder lang zu beiden greifen, denn der B2 bedient tonal absolut meine Vorlieben für langes und entspanntes Hören, der F4100 zeigt hingegen, was mit nur einem einzigen Balanced Armature Treiber von Final Audio erreicht wurde, nämlich das Beste aus ihm in Sachen tonaler Abstimmung, Räumlichkeit und Präzision mit den geringsten Kompromissen heraus zu holen. Er liegt für mich am Ende auf Platz 1 der hier getesteten In Ear Kopfhörer.

Ein spannender Vergleich dieser drei Testkandidaten mit einem für mich überraschendem Ausgang. Das sind genau die Momente, die mir beim Hobby Kopfhörer zu testen immer wieder Spaß machen und Lust auf mehr machen…

…vielleicht demnächst noch auf den F7200? 🙂

Final E5000 auf Headtek.de

Final F4100 auf Headtek.de

Final B2 auf Headtek.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.